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Partnerschaft zur Lutherischen Gemeinde in Poltawa / Ukraine

Als die drei Filderkommunen Ostfildern, Leinfelden-Echterdingen und Filder-
stadt zur ukrainischen Stadt Poltawa Kontakt aufnahmen, entstand auch die
Partnerschaft zur dortigen lutherischen Gemeinde. Erst mit der Perestroika
war es 1992 möglich, dass in Poltawa eine lutherische Gemeinde - aus dem
Nichts - entstand. Johann Haag, ein pensionierter Schlosser, ließ sich mit 76
Jahren zum Prediger ausbilden. Nun gibt es dort eine Gemeinde von 40
Christen. Heute erleben wir, wie eine Kirche aus dem Hören auf das Evange-
lium viele Aktivitäten entwickelt, wie Gottesdienst, Kindergottesdienst, Chor
und Soziale Dienste.

10 Jahre Deutsch Evang.-luth. Gemeinde in Poltawa

Eine Delegation von sieben Vertretern unseres Kirchenbezirks unter der
Leitung von Pfarrer Schmidt besuchte unsere Partnergemeinde in Poltawa
vom 14. bis 20.Mai, um mit ihr das 10-jährige Jubiläum zu feiern. 46 Mit-
glieder zählt die Gemeinde, 13 sind beim Jubiläum dazugekommen. Höhe-
punkt war ein großer Abendmahlsgottesdienst, in dem auch noch 13 Men-
schen im Alter von 14 bis 68 Jahren konfirmiert wurden. Gefeiert wurde
im großen Festsaal der wirtschaftswissenschaftlichen Universität. Der
Posaunenchor aus Leinfelden und der dortige Gemeindechor "Singola"
übernahmen den musikalischen Part. 170 Einladungen u.a. auch an die
Nachbargemeinden waren ausgegangen und fast alle waren gekommen.
Anschließend wurde in der Mensa der Universität mit allen getafelt bei
unterschiedlichen Darbietungen von Chören und Jugendgruppen.

Zwei Tage später fuhr fast die ganze Gemeinde mit einem Bus ins Grüne.
Jeder brachte etwas zum Essen mit, sodass die Vielfalt der ukrainischen
Küche zu genießen war. Außerdem konnte unsere Delegation trotz mancher
Sprachschwierigkeiten mit den Gemeindegliedern Kontakt finden.

Leider mussten wir Plänen, die 1931 (in stalinistischer Zeit) dem Erdboden
gleichgemachte Evang. Kirche in Poltawa orginalgetreu wieder aufzubauen,
eine Absage erteilen. Die Gemeinde braucht zwar dringend ein anderes
Haus mit größeren Räumen und besserer Verkehrsanbindung. Für ein
wiedererrichtetes Kirchengebäude aber ist die Gemeinde zu klein und
sowohl ihre als auch unsere finanziellen Möglichkeiten zu schwach.

Die Gemeinde dort kämpft mit vielen Problemen. Größtes Problem ist, dass
es seit dem Weggang von Pfarrer Johann Haag nach Deutschland keine
stabile geistliche Leitung mehr gibt. Predikanten wurden in Odessa aus-
gebildet, siedelten dann meist nach Deutschland über. Andere fühlten sich
nicht befähigt und gerufen, die geistliche Leitung zu übernehmen. So hilft
man sich seit Jahren mit Lesegottesdiensten, die abwechselnd von Kirchen-
gemeinderäten gelesen werden. Aber ein geistlicher Aufbau von unten mit
Unterricht und Seelsorge ist unter den Umständen nur sehr schwer möglich.

Ein anderes Problem sind fehlende, für alle durchsichtige Strukturen in der
Leitung der Gemeinde. Dabei können wir der Gemeinde behilflich sein. Auch
wie mit Geldern und Informationen umgegangen werden muss, muss halt
erst gelernt werden. Und die zum Teil bittere Armut vieler Gemeindemit-
glieder erschwert die Situation obendrein.

Wir haben viel guten Willen und große Gastfreundschaft angetroffen. Für
alle Hilfe, beratend und finanziell, sind unsere Partner sehr dankbar. Wir
wollen sie weiter unterstützen, damit sie möglichst bald alle Entscheidungen
selbst verantworten und umsetzen können. Auf keinen Fall dürfen wir sie in
unserem Gebet vergessen.