liturgischer Abendspaziergang am 6.Sonntag nach Trinitatis, 19.Juli 2020 mit Pfarrerin Lena Illek

Gottesdienst am 5.Sonntag nach Trinitatis, 12.Juli 2020 mit Prädikantin Simone Hertle

Predigt am 5. Juli 2020 von Pfarrer Marten Bernick "Liebe bewegt mehr!"

 „Liebe bewegt mehr“ (Römer 12,17-21)

     (1) „Gewalt ist auch eine Lösung“  
   (2)      „Niemals Gewalt“
   (3)       
„Liebe ist stärker als Gewalt“

„Jetzt hole ich die Atombombe!“

Da sind die beiden Schwestern Marita und Linda. Marita ist 6 Jahre alt, Linda 4 Jahre. Die beiden Schwestern spielen gemeinsam in ihrem großen Spielzimmer. Hier hat jedes Mädchen eine eigene Spieleecke, in der jedes seine eigenen Spielsachen haben kann. Beide Mädchen haben ein Puppenhaus. Und sie lieben ihr Puppenhaus. Jede baut darin einen kleinen Mini-Haushalt auf, ganz so, wie sie es bei der Mama gesehen haben: Da gibt es eine Küche mit kleinen Töpfen, Tellern und Besteck. Die Puppen sitzen dort und essen. Marita und Linda lieben es, einen eigenen kleinen Haushalt zu bedienen. Ab und zu, da wollen sich die Puppen aus den beiden Hauhalten mal sehen. Sie besuchen sich. Die eine Familie verlässt er ihr aus und geht in das Puppenhaus der anderen.

Eines Nachmittags ist es Linda, die sich mit ihrer Puppenfamilie auf den Weg macht zum Puppenhaus ihrer größeren Schwester Marita. Und dann geschieht es: Sie wissen nicht genau, wie es geschehen ist, aber auf einmal fällt eine Puppe bei Marita in der Puppenküche um, alle Spielzeugteller und das Besteck fallen herunter. Chaos im sonst so geordneten Puppenhaus. Marita ist sauer – und Linda hat gar nicht genau mitbekommen, was eigentlich passiert ist.

Als Marita am nächsten Tag das Puppenhaus von Linda besucht, da fallen die Puppen ganz zufällig im Garten und verwüsten Lindas Gartenlandschaft. „Hör auf damit!“, klingt Lindas Stimme weinerlich.

Die Stimmung im Mädchenzimmer ist längst getrübt, als es immer schneller und stärker hin und hergeht. Irgendwann platzt Marita der Geduldsfaden und sie ruft: „So, jetzt hole ich die Atombombe. Dann ist hier Ende Gelände.“ Das ist ein Sprichwort und sie hat es mal bei ihrem Papa gelernt.

Da folgt ein Konflikt auf den nächsten und wir wissen gar nicht mehr, wie es eigentlich begonnen hat. Und wir fragen uns auch: Kann es nicht irgendwie wieder Frieden werden?

Kennen wir das? Wir führen ein Leben, von dem wir doch das Gefühl haben, alles richtig zu machen. Und es ist ja auch so: Wir strengen uns immer an, solange wir die Kraft dafür haben. Und dann ist diese eine Person, die beleidigt ist, unzufrieden, die immer noch irgendeine Verletzung aus der Vergangenheit vor sich herträgt. Und egal was mir machen, wieviel Mühe wir uns geben: Wir werden das nicht los. Belastend. Ätzend!

 

Die Bibel weiß um die Probleme, die wir untereinander haben. Und Gott leidet mit uns wegen dieser Dinge mit. Man könnte vielleicht sagen: Wir sind in eine Geschichte von Hass unter Liebenden hineingeboren.

Adam und Eva brechen das einzige Verbot, das Gott ihnen gab. Das Paradies kommt findet ein Ende.

Kain erschlägt seinen Bruder Abel aus Eifersucht. Der erste Mord, und es sollten noch viele folgen.

Jakob betrügt seinen Bruder Esau aus Gier um dessen Erbe. Dieser Diebstahl lässt ihn dann nicht mehr los: In seinem Leben ist er immer auf der Flucht und es scheint, dass er gar nicht mehr zur Ruhe kommt.

Die Bibel erzählt diese Weltgeschichte als eine Geschichte von Menschen, die sich eigentlich lieben sollen, dann aber im Hass enden.

 

(1)   „Gewalt ist auch eine Lösung“

(2)   „Niemals Gewalt“

(3)   „Liebe ist stärker als Gewalt“

Gibt es da keine Antwort, keine Lösung? Kann es nicht Frieden werden? Aber was müsste sich dafür ändern?

Astrid Lindgren hat 1978 darüber gesprochen, als sie eine Rede hielt. Kurz zuvor war ihr der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen worden:

 „Über den Frieden sprechen heißt über etwas sprechen, das es nicht gibt. Wahren Frieden gibt es nicht auf unserer Erde und hat es auch nie gegeben, es sei denn als Ziel, das wir offenbar nicht zu erreichen vermögen. Solange der Mensch auf dieser Erde lebt, hat er sich der Gewalt und dem Krieg verschrieben, und der uns vergönnte, zerbrechliche Friede ist ständig bedroht. Gerade heute lebt die ganze Welt in der Furcht vor einem neuen Krieg, der uns alle vernichten wird. Angesichts dieser Bedrohung setzen sich mehr Menschen denn je zuvor für Frieden und Abrüstung ein - das ist wahr, das könnte eine Hoffnung sein.

Doch Hoffnung hegen fällt so schwer. Die Politiker versammeln sich in großer Zahl zu immer neuen Gipfelgesprächen, und sie alle sprechen so eindringlich für Abrüstung, aber nur für die Abrüstung, die die anderen vornehmen sollen. Dein Land soll abrüsten, nicht meines! Keiner will den Anfang machen. Keiner wagt es anzufangen, weil jeder sich fürchtet und so geringes Vertrauen in den Friedenswillen des anderen setzt.

Müssen wir uns nach diesen Jahrtausenden ständiger Kriege nicht fragen, ob der Mensch nicht vielleicht schon in seiner Anlage fehlerhaft ist? Und sind wir unserer Aggressionen wegen zum Untergang verurteilt? Wir alle wollen ja den Frieden. Gibt es denn da keine Möglichkeit, uns zu ändern, ehe es zu spät ist? Könnten wir nicht vielleicht lernen, auf Gewalt zu verzichten? Könnten wir nicht versuchen, eine ganz neue Art Mensch zu werden? Wie aber sollte das geschehen, und wo sollte man anfangen?“

 

Paulus weist uns heute früh hin, wie es klappen könnte: „Niemals Gewalt“. Wir hören den Predigttext aus Römer 12, 17-21:

Vergeltet Böses nicht mit Bösem. Habt den anderen Menschen gegenüberstets nur Gutes im Sinn.

Lebt mit allen Menschen in Frieden – soweit das möglich ist und es an euch liegt. Nehmt nicht selbst Rache, meine Lieben. Überlasst das vielmehr dem gerechten Zorn Gottes. In der Heiligen Schrift steht ja: »›Die Rache ist meine Sache, ich werde Vergeltung üben‹ – spricht der Herr.«

Im Gegenteil: »Wenn dein Feind Hunger hat,gib ihm zu essen. Wenn er Durst hat, gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, ist es, als ob du glühende Kohlen auf seinem Kopf anhäufst

Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute!

 

Paulus lenkt unseren Blick auf die ungerechten, herablassenden Eingriffe anderer auf unser Leben. Und er tut das, weil er unseren Blick davon abwenden möchte. Paulus wendet den Blick von dem, was uns bestimmt: Von den Gedanken über eine fehlerhafte Vergangenheit oder die Gedanken über eine böse Zukunft.

Er sagt: Ja, da hast Du etwas erlebt. Und da ist so richtig Wut in Dir. Rachegedanken. Am besten Vergeltung. Doch: Elend oder Scham sollen nicht das letzte Wort über Deine Gefühle behalten.

Er ruft laut das Geheimnis: Verzichte auf die Rache. Lass dich stattdessen von königlicher Freiheit und vollkommener Liebe leiten. Denn diese Liebe, von der ich, Paulus spreche, ist erhaben. Sie ist so dermaßen erhaben, weil sie unabhängig vom Verhalten der anderen ist. Diese Liebe besitzt eine Macht, die Welt, meine und Deine, zu verändern. Lass dich von der Liebe überrumpeln, denn sie ist stark: Mit Kraft kann sie das Böse durch Gutes besiegen.

Paulus meint: „Haltet Euch nicht selbst für klug“ (Römer 12,16). Und er meint damit: Wenn ich mich zum Richter mache, halte ich mich für klug. Darauf sollen wir verzichten. Wir gehen mit Paulus eine Stufe weiter – und je höher wir kommen, umso niedriger steigen wir. Wir üben uns hier und heute in Demut.

 

Gehen wir mit Paulus weiter, dann spricht er mit uns über unsere Gedanken, die uns zurückhalten, die uns noch in der Vergangenheit halten: Wie regele ich erfahrene Schuld oder Rachegedanken? Und er fragt uns: Was bestimmt mich? Wer ist mein Herr?

Das Böse regiert mich, solange es mich beschäftigt. Gebe ich es ab an Gott, gebe ich es aus meiner Hand. Und Paulus meint damit: Die Freude der Vergeltung und Genugtuung gönnt Gott mir nicht. Den Frieden, den verlorenen Schalom, den stellt Gott selber wieder her.

„Solange an euch liegt, habt mit jedermann Frieden“, das heißt: Gebt niemals jemanden auf.

 

(1)   „Gewalt ist auch eine Lösung“

(2)   „Niemals Gewalt“

(3)   „Liebe ist stärker als Gewalt“

Die Bibel erzählt die Geschichte vom Hass unter Menschen, die sich eigentlich lieben sollten. Aber sie erzählt nicht nur diese Geschichte. Sie erzählt auch noch eine andere. Die Bibel erzählt auch die Geschichte, wie die Weltgeschichte sich ändert durch die Liebe eines Gehassten. Es ist der Gottessohn Jesus, der den Himmel verlässt, klein wird und zu uns kommt. Und der dann hinaufsteigt auf das Kreuz. Dort oben ist er dann ganz unten.

Denn das Kreuz ist der Ort, an den Jesus gegangen ist. Hierhin ist er gekommen, als die Menschen ihren Hass entfesselten. Er hat alles auf sich genommen und alles getragen.

Er hat nicht nur deine Last getragen, sondern auch die Last deiner Feinde. Er hat nicht nur deine Schuld im Tod versenkt, sondern auch die deiner Mitmenschen. Und er hat für dich die Kohlen auf dem Haupt getragen, damit du umkehren kannst und damit du glauben kannst. Hier trug er deine Last, deine Schwäche und deine Unfähigkeit zu vergeben.

„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem“, schreibt Paulus. Jesus hat das Böse überwunden und dir das Gute gegeben. „Komm her, mein Kind“, spricht er, „und gib die Liebe weiter, die ich dir geschenkt habe. Lass mir den Hass und nimm meine Liebe stattdessen.“

Wollen wir das? Dann lasst uns mit Paulus mitgehen zu Jesus, der mit offenen Armen auf Dich wartet. Seine Liebe bewegt: Die Herzen und die Hände. Seine Liebe bewegt: Menschen zu Gott und Menschen zueinander.

Lassen wir uns von Seiner Liebe bewegen?

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, er bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

AMEN.

 

Predigt von Pfarrer Marten Bernick am 5. Juli als PDF-Datei zum Download

Predigt von Pfarrer Marten Bernick zu Christi Himmelfahrt 2020

Predigt: „Jesus will dich“ (Johannes 17,20-26) von Pfarrer Marten Bernick, Nellingen

Predigt von Pfarrer Bernick zu Christi Himmelfahrt 2020 als PDF-Datei zum Download.

Predigt von Pfarrer Marten Bernick zu Pfingsten 2020

Predigt am Pfingstfest

31. Mai 2020 St. Blasius Kirche Nellingen von Pfarrer Marten Bernick

(Apostelgeschichte 2,1-22: Das Pfingstwunder)

1.) Von der Verunsicherung der Jünger

2.) Von der Hoffnung der Jünger

3.) Von der Pfingstsprache der Jünger 

 

 

Pfingstpredigt von Pfarrer Bernick als PDF-Datei zum downloaden

Predigt von Pfarrer Marten Bernick zum Sonntag Rogate am 17.05.2020 Matthäus 6, 5-15: "Beten befreit"

Predigt am Sonntag Rogate 2020 als PDF-Datei zum Downloaden

Predigtgedanken zum Sonntag Jubilate, 3. Mai 2020, Prädikant Christoph Killgus

Wohnzimmergottesdienst an Ostersonntag, 12.April 2020 mit Pfarrer Marten Bernick

www.youtube.com/watch

Andacht zu Karfreitag, 10.April 2020 von Pfarrerin Lena Illek

Andacht zum Mitfeiern an Gründonnerstag, 9.April 2020 von Pfarrerin Lena Illek

Gottesdienst zu Palmsonntag, 6. April 2020 mit Pfarrerin Ulrike Schnürle

www.youtube.com/watch

Wohnzimmergottesdienst zum Sonntag Judika, 29.März 2020 mit Pfarrer Marten Bernick

Andacht von Pfarrerin Lena Illek zum Sonntag Lätare, 22.März 2020

Andacht von Pfarrer Marten Bernick am Sonntag Okuli, 15. März 2020

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Predigttext zur Christvesper 24.12.2019 von Pfarrer Peter Brändle

Predigttext von Pfarrer Peter Brändle zum 3. Advent 2019

Predigttext von Pfarrer Marten Bernick zum 2. Advent 2019 als PDF-Datei

Predigttext von Pfarrer Peter Brändle zum 1. Advent 2019 als PDF-Datei

Demut - Alles gut? Predigt Pfarrer Peter Brändle am 29. Septemer 2019 als PDF-Datei

Erntedank-Predigt 2019 von Pfarrer Peter Brändle als PDF-Datei

"Gott schreibt auf krummen Zeilen gerade", Predigt von Parrer Brändle 10. Okt. 2019 als PDF-Datei