Videobotschaften unserer Kirchengemeinde!

Die Gottesdienste vom Sonntag können Sie in der Regel sonntags spät abends oder ab Montag per Video abrufen. 

Hier geht es zu den Videos: https://www.youtube.com/channel/UC28JHX5tZPM7hTCv6bpNmlA

Leider können wir die Gottesdienste, bei denen viele Mitwirkende beteilgt sind, wie Konfi3 oder der Kindergarten aus Datenschutzgründen hier nicht veröffentlichen.

 

 

 

 

"Was der Mensch braucht" - Predigt am Sonntag Sexagesimae (7. Februar 2021)

Predigt: Pfr. Marten Bernick, Predigttext: Lukas 8,4-15 (Jesu Gleichnis vom Sämann)

Der Gottesdienst am Sonntag Sexagesimae (60 Tage vor Ostern) dreht sich um die Frage, was der Mensch braucht, damit Gottes Wort in seinem Herzen wurzelt. Die Schriftlesung aus Apg. 16,9-15 nimmt uns in die Geschichte der Lydia mit, der ersten Christin. Sie konnte ihre Prioritäten neu setzen und erlebte Befreiung, als sie zum christlichen Glauben fand. Mit dem Gleichnis vom Sämann aus Lukas 8,4-15 fragt der Predigttext uns ganz persönlich, ob unser Herz einen guten Boden für Gottes Ansprache an unser Leben hat.

 

 

Lukas 8,4-15 nach der BasisBibel

Eine große Volksmenge versammelte sich um Jesus, und aus allen Orten strömten die Leute zu ihm. Da erzählte er ihnen ein Gleichnis: »Ein Bauer ging aufs Feld, um seine Saat auszusäen. Während er die Körner auswarf, fiel ein Teil davon auf den Weg. Die Körner wurden zertreten, und die Vögel pickten sie auf. Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden. Die Körner gingen auf und vertrockneten schnell wieder, weil sie keine Feuchtigkeit hatten. Ein weiterer Teil fiel zwischen die Disteln. Die Disteln gingen mit auf und erstickten die junge Saat.  Aber ein anderer Teil fiel auf guten Boden. Die Körner gingen auf und brachten hundertfachen Ertrag. Dann rief Jesus noch: »Wer Ohren zum Hören hat, soll gut zuhören.« Da fragten ihn seine Jünger: »Was bedeutet dieses Gleichnis?« Er antwortete: »Euch ist es geschenkt, das Geheimnis vom Reich Gottes zu verstehen. Aber die anderen Menschen erfahren davon nur in Gleichnissen. Denn sie sollen sehen, ohne etwas zu erkennen, und hören, ohne etwas zu verstehen. Dies ist die Bedeutung des Gleichnisses: Die Saat ist das Wort Gottes. Was auf den Weg fällt, steht für die Menschen, die das Wort hören. Aber dann kommt der Teufel. Er nimmt es wieder weg aus ihren Herzen, damit sie nicht glauben und gerettet werden. Ein anderer Teil fällt auf felsigen Boden. Er steht für die Menschen, die das Wort hören und gleich mit Freude in sich aufnehmen. Aber es schlägt keine Wurzeln. Eine Zeit lang glauben sie. Doch sobald sie auf die Probe gestellt werden, wenden sie sich wieder ab. Noch ein anderer Teil fällt zwischen die Disteln. Er steht für die Menschen, die das Wort zunächst hören. Doch dann gehen sie fort. Sie ersticken in Sorgen, in Reichtum und den Freuden, die das Leben bietet. Daher bringen sie keinen Ertrag. Aber ein Teil fällt auch auf guten Boden. Er steht für die Menschen, die das Wort mit offenem und bereitwilligem Herzen hören. Sie bewahren es und halten durch –und so bringen sie viel Ertrag.«

 

 

Weihnachten 2020: Audio-Impuls mit Liedern und Texten

Frohe & gesegnete Weihnachten wünschen wir mit diesen beiden Impulsen. Wir sind dankbar, dass viele Menschen mitgemacht haben und ihre Zeit und Stimme zur Verfügung gestellt haben. Hört rein!

 

Erste Audio-Spur:

Lied: „Herbei, o ihr Gläub’gen“, gespielt von R. Stolle, gesungen von Pia Schwarz; 0:00-2:18

Lesung: Die Weihnachtsgeschichte nach Lukas 2,1-20+40: Gelesen von Gerd Heidorn; 2:18-5:50

Lied: „Stille Nacht“, gespielt von R. Stolle, gesungen von Andrea Krause und Pia Schwarz, 5:50-8:27

Impuls: „Gegensätze werden überWunden“, gelesen von Yannick Schuler 8:27-11:11

Lied: „Ich steh an deiner Krippen hier“, gespielt von R. Stolle, gesungen von Pia Schwarz, 11:11-15.08

Weihnachtsgeschichte für Familien und Kinder Teil 1, gelesen von Paula Funkstein und Hannah Raisch; 15.08-20:33

 

Zweite Audio-Spur:

Lied: „Christmas like a child”, Doreen Bernick; 0:00 – 3:43

Weihnachtsgeschichte für Familien und Kinder Teil 2, gelesen von Paula Funkstein und Hannah Raisch; 3:43-6:20

Lied: „Ihr Kinderlein kommet“, gespielt von R. Stolle, gesungen von Pia Schwarz; 6:20-10:55

Lied: „Oh Holy Night“, gesungen von Andrea Krause; 10:55-15:15

 

"Das Geheimnis von Weihnachten" - Predigt am Heiligen Abend - 24.12.2020

Audio:

1. Lied EG 37: "Ich steh an deiner Krippen hier" 0:00-3:44

2. Predigt von Pfr. M. Bernick am Heiligen Abend 2020 über Matthäus 1,18-25

 

 

„Das Geheimnis von Weihnachten“

 

Da ist die Familie an Weihnachten beisammen. Wunderbare Festtagsstimmung. Es gibt ein vorzügliches Essen. Frieden, Freude, Liebe hängen in der Luft. Man riecht und spürt: Jetzt ist Weinachten. Oder doch nicht? Marie, die 16-jährige Tochter, ihr geht es wohl nicht so gut. „Geht’s dir nicht gut?“, fragt die Mutter quer über den Tisch, als Marie sich an der Tischkante hält. „Geht schon!“, ist die Antwort. Aber dann muss Marie doch aufs Klo. Sie übergibt sich. „Hmmm, war was mit dem Essen?“, fragt der Vater die Mutter quer über den Tisch. „Nicht, dass ich wüsste. Hier ist alles gut!“. Marie kommt wieder, legt sich auf das Sofa. Sie beginnt zu weinen. Die Mutter geht zu ihr hin: „Liebes, was ist denn nur los?“ – „Mama, ich bin schwanger!“, bricht es aus Marie heraus.

Ach Du meine Güte! Das kommt jetzt aber sehr ungelegen. Und dann auch noch am Weihnachtsfest. Das passt überhaupt nicht.

Oder doch? Gehen Sie mit uns mit – der Geschichte von Jesu Geburt.

Jesu Geburt

18Die Geburt Jesu Christi geschah aber so: Als Maria, seine Mutter, dem Josef vertraut war, fand es sich, ehe er sie heimholte, dass sie schwanger war von dem Heiligen Geist. 19Josef aber, ihr Mann, war fromm und wollte sie nicht in Schande bringen, gedachte aber, sie heimlich zu verlassen. 20Als er das noch bedachte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sprach: Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem Heiligen Geist. 21Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden. 22Das ist aber alles geschehen, damit erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht (Jes 7,14): 23»Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben«, das heißt übersetzt: Gott mit uns. 24Als nun Josef vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. 25Und er berührte sie nicht, bis sie einen Sohn gebar; und er gab ihm den Namen Jesus.

Auf den ersten Blick ist das eine ganz einfache und menschliche Geschichte:

Zuverlässige Maria, die schwanger wird. Aber nicht von ihrem Josef. Ein Josef, der Maria liebt und ihr nur das Beste wünscht. Bis zu einem Tag. Da hat Maria für ihren Josef auf einmal zwei Nachrichten – eine gute und eine schlechte:

Die gute: „Josef, ich halte immer zu dir – und zwar, wirklich nur zu dir. Zu sonst niemandem. Ich will immer an deiner Seite sein und sonst bei keinem anderen. Ich war dir immer treu!“ Die schlechte Nachricht: „Ich bin trotzdem schwanger!“

Wie kann das sein? Diese Nachricht durchzuckte den treuen Josef. Traurig erkennt er, dass er wohl das „Beste“ nicht wirklich für sie ist. Doch dann kommt der Engel: „Du, Josef, alles nicht so schlimm. Da steckt noch ein größerer dahinter – Gott. Mach langsam, bleib bei Maria!“.

Maria und Josef sind ein junges Paar, sie haben ihre Hochzeit geplant, aber sind eben erstmal noch verlobt, mit allen Träumen und Sehnsüchten, die man als junger Mensch so haben kann.

Auf Maria hat er gewartet, ja, mit ihr will er sein Leben und seine Liebe teilen. Mit keiner anderen. Josef, ein einfacher, aufrechter Arbeiter, der nun ganz schön unruhig wird. Es ist für Josef nicht vorstellbar, dass Maria jetzt noch seine Frau wird. Vielleicht sollte er auf den Putz hauen, es allen sagen, was da mit der Maria los ist, für die er so viel – und sonst für keine andere – empfunden hat.

Seine Liebe zu Maria hört nicht auf. Er denkt sich: „Maria ist trotz dieser schockierenden Nachricht ein liebes Mädchen. Ich will sie nicht bloßstellen. Ich werde sie einfach verlassen, ohne dass ich ein großes Fass aufmache und den Skandal benenne. Ich werde es still zu Ende bringen.“

Doch dann klingt eine Stimme, die ihm ins Gewissen redet: „Das Kind ist nicht von dieser Welt. Das Kind, lieber Josef, das soll auch nicht trennen, ganz im Gegenteil: Das Kind, das da zu Euch kommt, ist kein normales Kind. Bleib bei ihr.“ Und das wird Josef tun. Das Kind wird geboren und es bekommt den Namen Jesus, Gott rettet.

Jesus wird zu schwierigen Zeiten geboren: Herodes bekommt Wind von dieser Geburt. Schnell merkt er: Das Kind ist nicht von dieser Welt – es könnte mir selber gefährlich werden. Herodes, der keine Skrupel hat, Säuglinge umbringen zu lassen, lässt nach Jesus suchen.

Da hört Josef die Stimme ein weiteres Mal: „Bringe deine Familie in Sicherheit.“ Die junge Familie, schon zu Beginn auf der Flucht, wird eine Zeit in Ägypten leben, bis sich Herodes etwas beruhigt haben wird. Auf den ersten Blick also: Eine einfache Geschichte. Zutiefst menschlich und ziemlich spannend.

 

Auf den zweiten Blick ist es immer noch eine einfache, menschliche Geschichte. Und doch sind da so viele Dinge, die uns kaum mehr auffallen. Vielleicht deswegen nicht auffallen, weil sie für uns schon so selbstverständlich zur Geschichte dazugehören: Die Stimme, die zu Josef spricht, ist ein Engel.

Und es scheint, dass es dabei nicht bleibt: Über Jesus liegt ein besonderer Glanz, ein besonderer Schutz. Für uns alle heißt das an diesem Abend: Da beginnen mit Jesus die Sternstunden der Menschheit. Da beginnt an diesem Weihnachtsfest die Sternstunde für Dein Leben. Ein göttlicher Glanz liegt über diesem bedrohten Leben.

Dieses Kind heißt Jesus – der Herr ist unser Retter. Und es heißt Immanuel – Gott mit uns. Ein besonderer Mensch: Ja. Jesus, mehr als ein Mensch. Gott sagt in Jesus: Ich bin dann mal – da! Ich bin nicht fern, ich bin in diese Welt gekommen. Ein ganzer Bericht spricht jetzt von Gottes Wundern, jedoch, mit großer Zurückhaltung. Warum? Weil wir es nicht fassen können.

Manche sagen: Wir brauchen an Weihnachten schöne Geschichten. Jetzt ganz besonders. Das ist richtig. Wir brauchen was für Herz und Geist.

Diese Geschichte, sie ist nicht nur schön, sie ist wahr! Jesus nur für einen guten Menschen zu halten, das geht nicht.

„Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären, und man wird ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott ist mit uns!“

Matthäus sagt nicht nur: Wie es im Alten Testament steht, so ist es geschehen. Sondern: Weil es dort steht, darum ist es geschehen. Weil Gott zu seinem Wort steht und es erfüllt – in Jesus. Wir sehen am Matthäus-Text also auch eine wunderbar starke Eigenschaft der Schrift: Die Schrift, die Bibel, sie schafft, sie macht, was sie sagt. Und bei Matthäus sehen wir, wie das umgesetzt wird, was Jesaja schemenhaft gesehen hat.

Auf den zweiten Blick – eine intensive, tiefgreifende Geschichte. Und es geht weiter: „…er wird sein Volk von ihren Sünden erlösen…“ – Josef hört ganz früh von diesem Geheimnis, das unterwegs ist. „Von ihren Sünden erlösen“ – das Schicksalsthema der Welt ist vor Gottes Augen gekommen.

Gott hat uns gesehen, unsere Welt, dich und mich. Und er sieht die Sünde in der Welt, wie sie Menschen erniedrigt, Leben zerstört und Liebe verdirbt. Man könnte sagen: Sünde – das ist die einzige Gefahr, von der alle anderen Gefahren ausgehen. Sünde – sie ist die böse Gefahr, mit der wir alleine eben nicht klarkommen. An Weihnachten hören wir davon, dass es Jesus‘ Lebensthema sein wird, gegen die Sünde zu kämpfen und zu siegen. Ja, das Osterfest wird hier schon vorausgesehen, vorausgesehnt.

Jesus ist tatsächlich mit Gnade und Macht allem Bösen überlegen. Damit uns Schuld und Sünde nicht von der Liebe und Gemeinschaft Gottes trennen. Sein Name, Jesus, den Josef ihm geben soll, der soll so heißen, der ist Programm, damit es jeder weiß: Das da, der Jesus: Er ist Dein Retter und Deine starke Hilfe. Glaubst Du ihm?

Da hört Josef die Stimme ein weiteres Mal: „Bringe deine Familie in Sicherheit.“ Die junge Familie, schon zu Beginn auf der Flucht, wird eine Zeit in Ägypten leben, bis sich Herodes etwas beruhigt haben wird.

Auf den zweiten Blick ist es immer noch eine einfache, menschliche Geschichte. Und doch sind da so viele Dinge, die uns kaum mehr auffallen. Jesus ist zu Beginn seines Lebens mit seinen heimatlosen Eltern unterwegs. In dieser frühen Kindheitsgeschichte zeigt sich, was Jesus tatsächlich ausmacht: Der, der gekommen ist, um gegen die Sünde anzutreten, hat keine irdische Heimat und keinen Besitz. So wird es bleiben. Und Jesus wird dabei immer wissen: „Vom Himmel hoch, da komm ich her!“, da ist mein Zuhause. Auch Deines?

Wie war das noch im Lied von Paul Gerhardt? In der ersten Strophe singt er noch davon, an Jesu Krippe zu stehen: „Ich steh an deiner Krippen hier, o Jesu, du mein Leben…“. Das faszinierende bei Paul Gerhardt ist, dass er uns mitnimmt auf einen poetischen Spaziergang hinein in das Herz Gottes. Dort findet er das, worum es im tieferen geht. Im Beispiel des Liedes ist es die Sehnsucht, selber zu der Krippe zu werden, die er eingangs noch besungen hat. Strophe 9: „Eins aber, hoff ich, wirst du mir, mein Heiland, nicht versagen: dass ich dich möge für und für in, bei und an mir tragen. So lass mich doch dein Kripplein sein; komm, komm und lege bei mir ein dich und all deine Freuden.“

Wenn Jesus in der dreckigen, staubigen Krippe von Bethlehem klar kommt, wenn das für ihn okay ist, im Dreck der Welt das Licht der Welt zu erblicken. Dann – ja dann kann auch unser Herz ihm nicht zu finster und düster sein. Da hinein will er kommen. Und die Frage, die er uns heute – an Weihnachten stellt – ist keine geringere, als die: „Darf ich bei Dir wohnen? Denn das ist mein Programm: Immanuel – Gott mit Dir. Jesus, Heiland und Retter.“ Lädst Du mich ein?

AMEN. 

"Kopf hoch!" - Predigt am Sonntag, 6. Dezember 2020 - 2. Advent

Gottes Segen zum zweiten Advent mit dem Mottowort dafür: "Seht auf und erhebt Eure Häupter, weil sich Eure Erlösung naht." Lukas 21,28

Nicht: Kopf hoch - es kommt noch schlimmer. Nicht: Kopf in den Sand - Hauptsache ich seh nix. Nicht: mit dem Kopf durch die Wand - muss doch gehen.

 

Sondern: Herz über Kopf auf Jesus zu. Hoffnung mit Herz und Verstand und Köpfchen. Glaube und Liebe und Erlösung gehen uns nicht aus dem Kopf. Denn egal was kommt, unser HERR kommt: Kopf hoch! Gesegneten zweiten Advent!

 

Textgrundlage: Jesaja 35,3-10 (HFA):

 

3Stärkt die kraftlosen Hände! Lasst die zitternden Knie wieder fest werden! 4Sagt denen, die sich fürchten: »Fasst neuen Mut! Habt keine Angst mehr, denn euer Gott ist bei euch! Jetzt wird er euren Feinden alles Unrecht vergelten, das sie euch angetan haben. Gott selbst kommt, um euch zu retten.« 5Dann werden die Augen der Blinden geöffnet, und die Tauben können auf einmal hören. 6Gelähmte springen wie ein Hirsch, und Stumme singen aus voller Kehle. In der Wüste brechen Quellen hervor, Bäche fließen durch die öde Steppe. 7Teiche entstehen, wo vorher heißer Wüstensand war. In der dürren Landschaft sprudelt Wasser aus dem Boden. Wo heute noch Schakale lagern, wachsen dann Gras, Binsen und Schilf. 8Eine Straße wird es dort geben, die man die »Heilige Straße« nennt. Kein unreiner Mensch wird sie betreten und kein Gottloser seinen Fuß darauf setzen, denn sie ist nur für Gottes Volk bestimmt. 9Kein Löwe liegt am Wegrand auf der Lauer, auch andere Raubtiere gibt es dort nicht. Nur die erlösten Menschen gehen auf dieser Straße. 10Alle, die der HERR befreit hat, werden jubelnd aus der Gefangenschaft zum Berg Zion zurückkehren. Dann sind Trauer und Sorge für immer vorbei, Glück und Frieden halten Einzug, und die Freude hört niemals auf.

 

 

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Lesung: Kirchengemeinderat Dr. Christof Schöberl

Predigt: Pfarrer Marten Bernick

 

"Christus erwarten" - Predigt am Sonntag, 8. November 2020

Pfarrer M. Bernick predigt am drittletzten Sonntag des Kirchenjahres zu 1. Thessalonicher 5,1-11:  "Christus erwarten". Die Lesung hält Kirchengemeinderätin Sabine Klöffel.

 

1Nun zu der Frage nach den Zeiten und Fristen, wann das geschieht: Brüder und Schwestern, eigentlich brauche ich euch dazu nichts zu schreiben. 2Denn ihr wisst selbst ganz genau: Der Tag des Herrn kommt unerwartet wie ein Dieb in der Nacht. 3Gerade sagen die Leute noch: »Wir leben in Frieden und Sicherheit!« Da wird das Verderben ganz plötzlich über sie hereinbrechen – so wie bei einer schwangeren Frau plötzlich die Wehen einsetzen. Dann gibt es kein Entkommen.

4Brüder und Schwestern! Ihr lebt nicht im Dunkel. Deshalb wird der Tag des Herrn euch nicht überraschen wie ein Dieb. 5Denn ihr seid alle Kinder des Lichts und Kinder des Tages. Wir gehören nicht zum Bereich der Nacht oder der Dunkelheit. 6Wir wollen also nicht schlafen wie die anderen. Wir wollen vielmehr wach und nüchtern sein! 7Denn wer schläft, schläft in der Nacht. Und wer sich betrinkt, ist nachts betrunken. 8Aber wir gehören zum Tag. Deshalb wollen wir nüchtern sein – gewappnet mit Glaube und Liebe als Brustpanzer und der Hoffnung auf Rettung als Helm. 9Denn Gott hat uns nicht dazu erwählt, dass wir seinem Strafgericht verfallen. Sondern dazu, dass wir gerettet werden durch unseren Herrn Jesus Christus. 10Der ist für uns gestorben, damit wir zusammen mit ihm leben –ganz gleich, ob wir dann noch am Leben sind oder schon entschlafen. 11Deshalb: Macht euch gegenseitig Mut und baut einander auf, wie ihr es ja schon tut.

 

(Übersetzung der BasisBibel)

 

"Deine Freiheit" - Predigt am Sonntag, 1. November 2020

Pfarrer M. Bernick hält die Predigt zum vorgegebenen Predigttext aus Jeremia 29,4-14. Textstellen, die (auch) dran kommen:

Römer 1,16ff.:

Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen. Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie geschrieben steht (Hab 2,4): »Der Gerechte wird aus Glauben leben.«

Römer 3,21-24:

Nun aber ist ohne Zutun des Gesetzes die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, offenbart, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten. Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben. Denn es ist hier kein Unterschied: sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen

 

"Vom Leben in neuen Kleidern" - Predigt am 18. Oktober 2020

Predigt am 18. Oktober 2020 in der St. Blasius Kirche in Nellingen

Predigttext: Epheser 4,17-32 am 19. S.n.T.; Pfarrer Marten Bernick

 

Liebe Gemeinde,

kennen Sie das: Sie gehen auf eine Party und fühlen sich völlig underdressed? Falsch angezogen. Peinlich. Oder: Sie kommen an einen anderen Ort und spüren es ähnlich: Ich hab die falschen Klamotten an. Ich kann mich noch gut erinnern: Ich hatte gerade mein Abi gemacht, der Abi-Ball stand an. Auf Schule hatte ich echt keine Lust mehr – und meine Lehrer, die fehlten mir noch gerade. Mein Geld war mir für einen Anzug viel zu schade. Also zog ich an, was der gewaschene Kleiderstapel hergab: Jeans und Shirt. Heute wäre das vielleicht ganz stylisch. Damals, 2003, eher weniger.

Ein zweites: Ein guter Freund lud zu einem Fest ein. Er sollte den elterlichen Bauernhof samt Freizeitanlagen und Ferienhäusern übernehmen. Ein großes Fest war ausgeschrieben. Mit 25 – da kann man erben. Doch wie kleiden? Ich entschied mich für Krawatte und Blazer. Als ich die Scheunentür betrat, war mir klar: Da passe ich nicht dazu. Landwirte in einfacher Kleidung, Overdressed – ein Problem. Auf einmal fühlte ich mich falsch am Platz. Unangenehm. Das war einmal. Doch wie ist das, wenn heute jemand danebengreift?

Paulus hat Sinn für Mode und angemessene Kleidung – und er bedient sich eines Bildes. Und er spricht davon, wie es ist, sich anzukleiden und umzukleiden. Er scheint etwas zu wissen von Kleidung, mit der man und frau besser nicht vor die Haustür tritt. Symbolisch spricht er von Kleidung, mit der man sich besser nicht vor die Tür der Kirche oder die Tür des Gemeindehauses begibt:

 

Text Epheser 4,17-32

17 Das sage ich und beschwöre euch beim Herrn: Führt euer Leben nicht länger so, wie die Heiden es tun – ohne Sinn und Verstand.
18 Ihre Erkenntnisfähigkeit ist getrübt. Ihnen ist das Leben fremd, das Gott gemäß ist. Denn sie sind unwissend und haben ihr Herz verschlossen.
19 Abgestumpft wie sie sind, führen sie ein zügelloses Leben. In ihrer Habgier sind sie zu jedem unreinen Werk bereit.
20 Das passt aber nicht zu dem, was ihr über Christus gelernt habt.
21 Ihr habt doch von ihm gehört und seid in seiner Lehre unterrichtet worden. Denn so ist es der Wahrheit angemessen, wie sie bei allen gilt, die zu Jesus gehören.
22 Deshalb sollt ihr den alten Menschen ablegen, denn er entspricht der früheren Lebensweise. Er wird zugrunde gehen aufgrund seiner trügerischen Lust.
23 Lasst euch stattdessen dadurch erneuern, dass der Heilige Geist in eurem Verstand wirkt.
24 Und zieht den neuen Menschen an wie ein neues Kleid. Denn er ist nach Gottes Bild geschaffen und dadurch fähig zu wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.
25 Deshalb sollt ihr die Lüge ablegen und jeder soll seinem Nächsten die Wahrheit sagen. Denn wir alle sind Glieder am Leib von Christus.
26 Euer Zorn soll nicht dazu führen, dass ihr Schuld auf euch ladet! Lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen.
27 Gebt dem Teufel keinen Raum zum Wirken!
28 Wer stiehlt, soll nicht mehr stehlen. Vielmehr soll er sich abmühen und durch seiner eigenen Hände Arbeit Besitz erwerben. Dann hat er genug, um den Bestohlenen zu entschädigen.
29 Kein böses Wort soll über eure Lippen kommen. Vielmehr sollt ihr stets ein gutes Wort haben, um jemanden aufzubauen, wenn es nötig ist. Dann bringt dieses Wort denen Gnade, die es hören.
30 Kränkt nicht Gottes Heiligen Geist, der euch als Siegel aufgedrückt wurde. So kennzeichnet uns Gott für den Tag der endgültigen Erlösung.
31 Alle Erbitterung, Wut, Zorn, lautstarke Auseinandersetzungen und Verleumdungen sollen euch fernliegen – und damit auch alle Bosheit.
32 Seid vielmehr gütig und barmherzig zueinander. Vergebt einander, wie Gott euch durch Christus vergeben hat.

 

1. Raus aus den alten Klamotten

Paulus spricht von alten Klamotten. Und er meint damit Klamotten aus der Zeit, als wir Christus noch nicht kannten, den Klamotten des Unglaubens, von früher. Mit solchen Klamotten gehen wir besser nicht vor die Tür. Lasst uns den neuen Style von Jesus anziehen, sein neues Kleid, das er uns gemacht hat und das er uns anbietet.

Zunächst ein einfacher Gedanke:

Früher ward Ihr weit weg von Christus. Da ward Ihr Euch selbst genug, die Gemeinschaft mit Gott – die war egal. Man könnte aus der Perspektive von Christus auch sagen: Da ward Ihr tot. Schier taub für Gottes Liebe. So auf Euch selbst bezogen, dass Ihr gar nicht zu Gott aufsehen konntet.  

Aber dann hat Euch Christus in die Umkleidekabine gebeten. Dort hat er Euch getauft: Den alten, dreckigen, speckigen und stinkenden Mantel, den hat er abgenommen. Und hat Euch neu gekleidet. Mit Gerechtigkeit. Und das fühlt sich gut an. Denn was gewesen ist, das bestimmt Dich nicht länger. Aus Gnade gehörst Du ihm.

Für die christliche Gemeinde in Ephesus heißt das: Bosheit und Bitterkeit soll sie nicht bestimmen. Besser ist es, dass sie sich vergeben, am besten bevor der Tag zu Ende geht. Wenn Ihr das schafft, dann hält Eure Gemeinde zusammen. Dunkle Gefühle sollen sie nicht länger zerreißen. Stattdessen sollen sie sich konzentrieren, wie sie Gott alle Ehre geben können. Jede Sekunde ihres Lebens. Das ist der neue Mantel, den Christus anbietet.

 

Die Kirche wird damit zum Laufsteg von Gottes Menschen: Menschen, die sich vergeben, die freundlich, friedlich und fröhlich einander zulächeln. Nicht überheblich, nicht überlegen. Angemessen, ausgeglichen. Weil sie wissen: Zur Modenschau habe ich nicht beigetragen. Ich wurde eingeladen, weil mich mein Modedesigner Jesus Christus neu eingekleidet hat.

Dieser tolle Mantel beinhaltet die Entwicklungsziele unserer Gemeinde. Seitdem wir bei dieser Modenschau mitlaufen, tragen wir so manchen neuen Schmuck:

Eine tiefe Großzügigkeit, abzugeben von dem, was uns anvertraut ist. Eine Warmherzigkeit, denn wir laden nicht nur uns selber ein, sondern auch die, die niemand mehr einlädt. Mitgefühl, denn wir verstehen, dass nicht alles immer perfekt laufen kann. Das ist die Mode des neuen Lebens, in der Aufführung.

Wer sich einladen lässt, in die Umkleidekabine von Christus, wer sich einladen lässt, an der Modenschau der Glaubenden teilzunehmen. Die und der drücken es aus: Ich lasse mich stören in meinem Leben. Ich lasse mich verändern. Ich höre die Worte, die damals an die Gemeinde in Ephesus geschrieben wurden.

Und wir begreifen: Wir sind noch nicht am Ziel. Wir haben zwar den neuen Mantel an, doch wir sind noch nicht die, die wir sein sollten. Da sind noch Ecken und Kanten. Oder freundlicher gesagt: Da wartet noch mehr auf uns, wenn wir den Laufsteg weitergehen.

Wirklich? Ich dachte, jetzt wäre mal gut.

 

2. Raus aus den alten Klamotten… wenn das mal so einfach wäre

Ist nicht im Grunde alles gesagt? Das ist uns doch alles längst bekannt. Nicht wert, es immer und immer wieder zu wiederholen, oder? Das Leben mit Jesus – alles wird neu. Neue Kleider und so: Wahrheit reden. Nicht klauen. Immer freundlich lächeln. Die alten Klamotten haben wir ja längst abgelegt.

Paulus fragt uns, er mutet uns heute Morgen noch eine weitergehende Frage zu: Wagst Du Dich auf den Laufsteg?

Kann ich das überhaupt schaffen?

Da ist der Mensch, den Christus sich von mir wünscht. Mir fällt das aber schwer, den neuen Mantel anzuziehen. Mein alter Mantel sitzt irgendwie ganz gut. Den will ich noch nicht aufgeben. Was soll ich bloß tun, um da endlich hinzukommen?

Oder wir lehnen uns heute genervt zurück: Liebe Gemeinde in Ephesus. Ihr ward halt echte Chaoten. Aber wir, wir bekommen das alles gut hin. Ich wüsste jetzt nicht, dass ich mein Leben irgendwie ändern müsste.

Kennst Du das auch? Wir nehmen es uns immer wieder vor: Aber wir schaffen es nicht, uns zu ändern. Oder wir sagen: Wozu der ganze Stress? Lasst uns nach Hause gehen, wir kommen schon klar! Kennst Du das, dass es uns schwerfällt, den neuen Style für den Laufsteg anzulegen?

Christen sind auf dem Laufsteg des Lebens nicht allein.

Es gibt Dich. Es gibt aber auch noch den lebendigen Gott. Paulus sagt nicht: So, hier hat Dich Gott hingeworfen. Jetzt sieh mal zu, wie Du weiterkommst. Sondern: Da ist Dir der Heilige Geist in der Taufe gegeben, Christus hat Dir das neue Gewand hingehalten und Du hast es angezogen. An Deiner Konfirmation da hast du es angezogen. Damals, 1970, hier in Nellingen. Es passt, es wärmt dich, damit Du damit leben und auch gehen kannst.

Auch wenn das mit uns in der Umkleidekabine manchmal etwas länger dauert, bis wir das Gewand anhaben, verliert Gott nicht die Geduld mit uns. Gott gibt Dich nicht auf.

Das Neue, das seitdem in unser Leben strömt, das hat etwas damit zu tun, dass Jesus selbst in unserem Herzen wohnt. Und damit hat er übernommen, das erste und letzte Wort über unser neues Leben zu haben. Was heißt das für uns? „Chill hart“, würden die Konfis sagen. „Lass mal laufen“, denn da ist ja einer bei Dir, der will sich entfalten.

 

Vielleicht sagen wir: „Ich wüsste jetzt nicht, dass ich mein Leben irgendwie ändern müsste.“

Mich macht der Brief von Paulus wach für die Bereiche, die uns berühren. Und ich frage mich: Wo gibt es in meinem Leben Bereiche, die noch von anderen Kräften regiert werden? Gibt es Bereiche, in denen ich es echt nicht abkann, wenn Gott da mitredet? Bereiche, in die Gott besser nicht hineinsehen sollte?

Alle Erbitterung, Wut, Zorn, lautstarke Auseinandersetzungen und Verleumdungen sollen euch fernliegen – und damit auch alle Bosheit.“ (4,31)

Mit Zorn hat Paulus kein Problem, der ist nicht ganz grundsätzlich verboten. Es geht ihm darum: Wo adressiere ich ihn hin? Was mich bewegt ist sein Hinweis, dass es mit dem Zorn ganz schnell böse enden kann, wenn wir ihn nicht aufhalten, dann kann er ganz schnell unser Miteinander zerstückeln. Gib Deinen Ärger doch besser weg. Gib ihn Jesus. Er hat versprochen, dass er uns all das abnehmen möchte, was uns von der Liebe untereinander und von der Liebe Gottes trennt. Paulus ist besorgt und er sagt es der Gemeinde, ja der ganzen Welt: Passt auf. Ihr könnt den Geist Gottes betrüben. Wenn Ihr das tut, wenn Gott selber in Euch an Raum verliert, dann gebt Ihr im gleichen Atemzug damit dem Teufel Raum in Eurem Leben. Dann läufst du Gefahr, deinen schönen neuen Mantel auf die dreckige Straße zu werfen.

 

3. Rauf auf den Laufsteg Gottes

„Vergebt einander, wie Gott euch durch Christus vergeben hat.“ Der letzte Vers unseres Textes ist der Anfang des Laufstegs. Das neue Kleid das können wir wirklich tragen. Denn „je näher Ihr Gott kommt, umso ähnlicher werdet Ihr ihm. Je mehr ihr Gott seht, desto mehr von Gott wird in euch gesehen werden“ (Charles H. Spurgeon).

Je mehr wir uns von Christus prägen lassen, je mehr wir ihm zuhören und seine Wege suchen, umso mehr wird die Welt das an uns erkennen. In der Sprache des Laufstegs: Umso mehr kommen wir ins Scheinwerferlicht.

Weil Christus uns zuerst vergeben hat, deshalb werden wir befreit, einander zu vergeben. Wenn wir vergeben, dann nehmen wir uns an. Und zugleich werden wir durch unser eigenes Vergeben auch befreit von dem Zorn und Unmut, der uns bislang bestimmt hat. Wir dachten: Unser Zorn trifft nur die anderen. In Wirklichkeit lähmte er uns selbst. Nicht nur auf dem Laufsteg. Nein – im eigenen Leben, überall.

Auf dem Laufsteg, im Licht, da geht’s nicht länger um unsere schwierige Vergangenheit. Da gehen wir befreit von Ängsten, Sorgen und Unsicherheiten einem größeren entgegen. In dieser Perspektive kommen wir dann als Menschen auch mit uns Menschen klar.

Der Geist Gottes. Er befreit uns von allen Anklagen. Im Glauben macht er uns die Vergebung sicher. Und bereichert unseren neuen Weg. Dieser Weg mag schmaler sein als uns lieb ist. Und doch ist er erfüllender als wir uns vorstellen können.

Wenn wir leben, was Paulus fordert. Wenn wir das umsetzen. Dann mag sich das anfühlen wie mit der Jogginghose auf den Abiball zu gehen. Wie mit Krawatte und Blazer zur Hofübergabe. Vielleicht lächelt die Welt, weil so viel Liebe, so viel Güte und so viel Unterordnung nicht in ihr Denken passt. Weil unser christliches Kleid zu schrill, zu auffallend ist. Doch zu einem passt dieser Style. Es gibt noch einen anderen, der diese Klamotten nämlich auch trägt: Unser einer, gestorbener und auferstandener Herr Jesus Christus. AMEN.

liturgischer Abendspaziergang am 6.Sonntag nach Trinitatis, 19.Juli 2020 mit Pfarrerin Lena Illek

Gottesdienst am 5.Sonntag nach Trinitatis, 12.Juli 2020 mit Prädikantin Simone Hertle

Predigt am 5. Juli 2020 von Pfarrer Marten Bernick "Liebe bewegt mehr!"

 „Liebe bewegt mehr“ (Römer 12,17-21)

     (1) „Gewalt ist auch eine Lösung“  
   (2)      „Niemals Gewalt“
   (3)       
„Liebe ist stärker als Gewalt“

„Jetzt hole ich die Atombombe!“

Da sind die beiden Schwestern Marita und Linda. Marita ist 6 Jahre alt, Linda 4 Jahre. Die beiden Schwestern spielen gemeinsam in ihrem großen Spielzimmer. Hier hat jedes Mädchen eine eigene Spieleecke, in der jedes seine eigenen Spielsachen haben kann. Beide Mädchen haben ein Puppenhaus. Und sie lieben ihr Puppenhaus. Jede baut darin einen kleinen Mini-Haushalt auf, ganz so, wie sie es bei der Mama gesehen haben: Da gibt es eine Küche mit kleinen Töpfen, Tellern und Besteck. Die Puppen sitzen dort und essen. Marita und Linda lieben es, einen eigenen kleinen Haushalt zu bedienen. Ab und zu, da wollen sich die Puppen aus den beiden Hauhalten mal sehen. Sie besuchen sich. Die eine Familie verlässt er ihr aus und geht in das Puppenhaus der anderen.

Eines Nachmittags ist es Linda, die sich mit ihrer Puppenfamilie auf den Weg macht zum Puppenhaus ihrer größeren Schwester Marita. Und dann geschieht es: Sie wissen nicht genau, wie es geschehen ist, aber auf einmal fällt eine Puppe bei Marita in der Puppenküche um, alle Spielzeugteller und das Besteck fallen herunter. Chaos im sonst so geordneten Puppenhaus. Marita ist sauer – und Linda hat gar nicht genau mitbekommen, was eigentlich passiert ist.

Als Marita am nächsten Tag das Puppenhaus von Linda besucht, da fallen die Puppen ganz zufällig im Garten und verwüsten Lindas Gartenlandschaft. „Hör auf damit!“, klingt Lindas Stimme weinerlich.

Die Stimmung im Mädchenzimmer ist längst getrübt, als es immer schneller und stärker hin und hergeht. Irgendwann platzt Marita der Geduldsfaden und sie ruft: „So, jetzt hole ich die Atombombe. Dann ist hier Ende Gelände.“ Das ist ein Sprichwort und sie hat es mal bei ihrem Papa gelernt.

Da folgt ein Konflikt auf den nächsten und wir wissen gar nicht mehr, wie es eigentlich begonnen hat. Und wir fragen uns auch: Kann es nicht irgendwie wieder Frieden werden?

Kennen wir das? Wir führen ein Leben, von dem wir doch das Gefühl haben, alles richtig zu machen. Und es ist ja auch so: Wir strengen uns immer an, solange wir die Kraft dafür haben. Und dann ist diese eine Person, die beleidigt ist, unzufrieden, die immer noch irgendeine Verletzung aus der Vergangenheit vor sich herträgt. Und egal was mir machen, wieviel Mühe wir uns geben: Wir werden das nicht los. Belastend. Ätzend!

 

Die Bibel weiß um die Probleme, die wir untereinander haben. Und Gott leidet mit uns wegen dieser Dinge mit. Man könnte vielleicht sagen: Wir sind in eine Geschichte von Hass unter Liebenden hineingeboren.

Adam und Eva brechen das einzige Verbot, das Gott ihnen gab. Das Paradies kommt findet ein Ende.

Kain erschlägt seinen Bruder Abel aus Eifersucht. Der erste Mord, und es sollten noch viele folgen.

Jakob betrügt seinen Bruder Esau aus Gier um dessen Erbe. Dieser Diebstahl lässt ihn dann nicht mehr los: In seinem Leben ist er immer auf der Flucht und es scheint, dass er gar nicht mehr zur Ruhe kommt.

Die Bibel erzählt diese Weltgeschichte als eine Geschichte von Menschen, die sich eigentlich lieben sollen, dann aber im Hass enden.

 

(1)   „Gewalt ist auch eine Lösung“

(2)   „Niemals Gewalt“

(3)   „Liebe ist stärker als Gewalt“

Gibt es da keine Antwort, keine Lösung? Kann es nicht Frieden werden? Aber was müsste sich dafür ändern?

Astrid Lindgren hat 1978 darüber gesprochen, als sie eine Rede hielt. Kurz zuvor war ihr der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen worden:

 „Über den Frieden sprechen heißt über etwas sprechen, das es nicht gibt. Wahren Frieden gibt es nicht auf unserer Erde und hat es auch nie gegeben, es sei denn als Ziel, das wir offenbar nicht zu erreichen vermögen. Solange der Mensch auf dieser Erde lebt, hat er sich der Gewalt und dem Krieg verschrieben, und der uns vergönnte, zerbrechliche Friede ist ständig bedroht. Gerade heute lebt die ganze Welt in der Furcht vor einem neuen Krieg, der uns alle vernichten wird. Angesichts dieser Bedrohung setzen sich mehr Menschen denn je zuvor für Frieden und Abrüstung ein - das ist wahr, das könnte eine Hoffnung sein.

Doch Hoffnung hegen fällt so schwer. Die Politiker versammeln sich in großer Zahl zu immer neuen Gipfelgesprächen, und sie alle sprechen so eindringlich für Abrüstung, aber nur für die Abrüstung, die die anderen vornehmen sollen. Dein Land soll abrüsten, nicht meines! Keiner will den Anfang machen. Keiner wagt es anzufangen, weil jeder sich fürchtet und so geringes Vertrauen in den Friedenswillen des anderen setzt.

Müssen wir uns nach diesen Jahrtausenden ständiger Kriege nicht fragen, ob der Mensch nicht vielleicht schon in seiner Anlage fehlerhaft ist? Und sind wir unserer Aggressionen wegen zum Untergang verurteilt? Wir alle wollen ja den Frieden. Gibt es denn da keine Möglichkeit, uns zu ändern, ehe es zu spät ist? Könnten wir nicht vielleicht lernen, auf Gewalt zu verzichten? Könnten wir nicht versuchen, eine ganz neue Art Mensch zu werden? Wie aber sollte das geschehen, und wo sollte man anfangen?“

 

Paulus weist uns heute früh hin, wie es klappen könnte: „Niemals Gewalt“. Wir hören den Predigttext aus Römer 12, 17-21:

Vergeltet Böses nicht mit Bösem. Habt den anderen Menschen gegenüberstets nur Gutes im Sinn.

Lebt mit allen Menschen in Frieden – soweit das möglich ist und es an euch liegt. Nehmt nicht selbst Rache, meine Lieben. Überlasst das vielmehr dem gerechten Zorn Gottes. In der Heiligen Schrift steht ja: »›Die Rache ist meine Sache, ich werde Vergeltung üben‹ – spricht der Herr.«

Im Gegenteil: »Wenn dein Feind Hunger hat,gib ihm zu essen. Wenn er Durst hat, gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, ist es, als ob du glühende Kohlen auf seinem Kopf anhäufst

Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute!

 

Paulus lenkt unseren Blick auf die ungerechten, herablassenden Eingriffe anderer auf unser Leben. Und er tut das, weil er unseren Blick davon abwenden möchte. Paulus wendet den Blick von dem, was uns bestimmt: Von den Gedanken über eine fehlerhafte Vergangenheit oder die Gedanken über eine böse Zukunft.

Er sagt: Ja, da hast Du etwas erlebt. Und da ist so richtig Wut in Dir. Rachegedanken. Am besten Vergeltung. Doch: Elend oder Scham sollen nicht das letzte Wort über Deine Gefühle behalten.

Er ruft laut das Geheimnis: Verzichte auf die Rache. Lass dich stattdessen von königlicher Freiheit und vollkommener Liebe leiten. Denn diese Liebe, von der ich, Paulus spreche, ist erhaben. Sie ist so dermaßen erhaben, weil sie unabhängig vom Verhalten der anderen ist. Diese Liebe besitzt eine Macht, die Welt, meine und Deine, zu verändern. Lass dich von der Liebe überrumpeln, denn sie ist stark: Mit Kraft kann sie das Böse durch Gutes besiegen.

Paulus meint: „Haltet Euch nicht selbst für klug“ (Römer 12,16). Und er meint damit: Wenn ich mich zum Richter mache, halte ich mich für klug. Darauf sollen wir verzichten. Wir gehen mit Paulus eine Stufe weiter – und je höher wir kommen, umso niedriger steigen wir. Wir üben uns hier und heute in Demut.

 

Gehen wir mit Paulus weiter, dann spricht er mit uns über unsere Gedanken, die uns zurückhalten, die uns noch in der Vergangenheit halten: Wie regele ich erfahrene Schuld oder Rachegedanken? Und er fragt uns: Was bestimmt mich? Wer ist mein Herr?

Das Böse regiert mich, solange es mich beschäftigt. Gebe ich es ab an Gott, gebe ich es aus meiner Hand. Und Paulus meint damit: Die Freude der Vergeltung und Genugtuung gönnt Gott mir nicht. Den Frieden, den verlorenen Schalom, den stellt Gott selber wieder her.

„Solange an euch liegt, habt mit jedermann Frieden“, das heißt: Gebt niemals jemanden auf.

 

(1)   „Gewalt ist auch eine Lösung“

(2)   „Niemals Gewalt“

(3)   „Liebe ist stärker als Gewalt“

Die Bibel erzählt die Geschichte vom Hass unter Menschen, die sich eigentlich lieben sollten. Aber sie erzählt nicht nur diese Geschichte. Sie erzählt auch noch eine andere. Die Bibel erzählt auch die Geschichte, wie die Weltgeschichte sich ändert durch die Liebe eines Gehassten. Es ist der Gottessohn Jesus, der den Himmel verlässt, klein wird und zu uns kommt. Und der dann hinaufsteigt auf das Kreuz. Dort oben ist er dann ganz unten.

Denn das Kreuz ist der Ort, an den Jesus gegangen ist. Hierhin ist er gekommen, als die Menschen ihren Hass entfesselten. Er hat alles auf sich genommen und alles getragen.

Er hat nicht nur deine Last getragen, sondern auch die Last deiner Feinde. Er hat nicht nur deine Schuld im Tod versenkt, sondern auch die deiner Mitmenschen. Und er hat für dich die Kohlen auf dem Haupt getragen, damit du umkehren kannst und damit du glauben kannst. Hier trug er deine Last, deine Schwäche und deine Unfähigkeit zu vergeben.

„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem“, schreibt Paulus. Jesus hat das Böse überwunden und dir das Gute gegeben. „Komm her, mein Kind“, spricht er, „und gib die Liebe weiter, die ich dir geschenkt habe. Lass mir den Hass und nimm meine Liebe stattdessen.“

Wollen wir das? Dann lasst uns mit Paulus mitgehen zu Jesus, der mit offenen Armen auf Dich wartet. Seine Liebe bewegt: Die Herzen und die Hände. Seine Liebe bewegt: Menschen zu Gott und Menschen zueinander.

Lassen wir uns von Seiner Liebe bewegen?

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, er bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

AMEN.

 

Predigt von Pfarrer Marten Bernick am 5. Juli als PDF-Datei zum Download

Predigt von Pfarrer Marten Bernick zu Christi Himmelfahrt 2020

Predigt: „Jesus will dich“ (Johannes 17,20-26) von Pfarrer Marten Bernick, Nellingen

Predigt von Pfarrer Bernick zu Christi Himmelfahrt 2020 als PDF-Datei zum Download.

Predigt von Pfarrer Marten Bernick zu Pfingsten 2020

Predigt am Pfingstfest

31. Mai 2020 St. Blasius Kirche Nellingen von Pfarrer Marten Bernick

(Apostelgeschichte 2,1-22: Das Pfingstwunder)

1.) Von der Verunsicherung der Jünger

2.) Von der Hoffnung der Jünger

3.) Von der Pfingstsprache der Jünger 

 

 

Pfingstpredigt von Pfarrer Bernick als PDF-Datei zum downloaden

Predigt von Pfarrer Marten Bernick zum Sonntag Rogate am 17.05.2020 Matthäus 6, 5-15: "Beten befreit"

Predigt am Sonntag Rogate 2020 als PDF-Datei zum Downloaden

Predigtgedanken zum Sonntag Jubilate, 3. Mai 2020, Prädikant Christoph Killgus

Wohnzimmergottesdienst an Ostersonntag, 12.April 2020 mit Pfarrer Marten Bernick

www.youtube.com/watch

Andacht zu Karfreitag, 10.April 2020 von Pfarrerin Lena Illek

Andacht zum Mitfeiern an Gründonnerstag, 9.April 2020 von Pfarrerin Lena Illek

Gottesdienst zu Palmsonntag, 6. April 2020 mit Pfarrerin Ulrike Schnürle

www.youtube.com/watch

Wohnzimmergottesdienst zum Sonntag Judika, 29.März 2020 mit Pfarrer Marten Bernick

Andacht von Pfarrerin Lena Illek zum Sonntag Lätare, 22.März 2020

Andacht von Pfarrer Marten Bernick am Sonntag Okuli, 15. März 2020

Predigttext von Pfarrer Peter Brändle zum Altjahrabend "Ein herzlicher Rückblick auf das Jahr 2019"

Predigttext zur Christvesper 24.12.2019 von Pfarrer Peter Brändle

Predigttext von Pfarrer Peter Brändle zum 3. Advent 2019

Predigttext von Pfarrer Marten Bernick zum 2. Advent 2019 als PDF-Datei

Predigttext von Pfarrer Peter Brändle zum 1. Advent 2019 als PDF-Datei

Demut - Alles gut? Predigt Pfarrer Peter Brändle am 29. Septemer 2019 als PDF-Datei

Erntedank-Predigt 2019 von Pfarrer Peter Brändle als PDF-Datei

"Gott schreibt auf krummen Zeilen gerade", Predigt von Parrer Brändle 10. Okt. 2019 als PDF-Datei